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Kriegsdienste verweigern! Aber wie?

Du hast einen Fragebogen bekommen, und weisst nicht, was nun? Du suchst Hilfe bei deiner Verweigerung? Du hast Fragen, was in deinem Fall wichtig ist?

Wir bieten Beratung und Begleitung von Personen, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern wollen.

Jetzt melden bei kdv-wendland@dfg-vk.de

Neu!!: Offene Beratung
jeden 1. und letzten Donnerstag im Monat
15-17h, QBUS/Altes Rathaus, Am Busbahnhof Lüchow

Guten Abend,

es ist ein trauriger Anlass, der uns auch heute hier wieder zusammenbringt – 81 Jahre nach diesem fatalen Sommertag im Juli 1945, als die erste Atombombe auf Hiroshima geworfen wurde. Es ist ein Anlass, der den Herzschlag aussetzen lässt, wenn wir uns die Dimension des Geschehens vor Augen führen. Es ist gut, zur Erinnerung ein öffentliches Zeichen zu setzen. Es ist gut, dass wir gedenken.

Und dennoch: Wir sprechen hier von einem Menschheitsverbrechen. (Von einem Menschheitsverbrechen, das bis heute fortgeführt wird. Darauf komme ich gleich noch mal zu sprechen.) Reicht da ein Gedenken aus? Noch dazu, wenn es ein stilles Gedenken ist? Ich meine, wir müssten laut sein. Krach schlagen! Wenn wir um uns hören, dann denke ich: Viel zu leise – also nicht hier auf dem Marktplatz, sondern überhaupt – viel zu leise ist der Protest in einer Zeit, in der so schamlos mit dem Einsatz atomarer Bewaffnung gedroht wird wie schon lange nicht mehr.

Viele versuchen ja, sich die Sache schönzureden nach dem Motto: Je mehr mit den Waffen gedroht wird, je offener über die Beschaffung diskutiert wird, umso mehr offenbart das lediglich das verzweifelt-hilflose Agieren der Politiker*innen, die sich da äußern. Umso weniger wahrscheinlich ist, dass wirklich was draus wird.

Na? Ob das wirklich trägt? Sicher sollte sich dabei jedenfalls niemand sein!

Zu viel Energie wird ganz real darauf verwendet,

  • sich nukleare Bewaffnung anzueignen,
  • die Waffen und ihre Leitsysteme zu modernisieren,
  • immer neue Ideen für die Überwindung von Abwehrsystemen zu entwickeln,
  • immer neue Doktrinen der Enthauptungs-, Erst- oder gar Präventivschläge zu entwickeln,

Zu viel Geld und Energie wird darauf verwendet, als dass vernünftigerweise gesagt werden könnte: Ne, da passiert schon nichts!
Im Gegenteil!

Uns lässt das nicht kalt. Und es sollte niemanden kalt lassen:

  • gerade weil es eine Angelegenheit ist, die, wenn etwas passiert, unterschiedslos und ohne Ansehen wirklich alle betrifft
  • gerade weil nie von einer einzelne Bombe die Rede sein kann.
    Atomwaffen ergeben nur vermeintlich „Sinn“ in einem Abschreckungssystem
    der massiven Vergeltung
  • gerade weil es dafür einen Militärapparat braucht, um diese in Gang zu setzen,

gerade deshalb dürfen wir auch an diesem Abend und darüber hinaus nicht still sein!
Die Hibakusha leben uns seit Jahrzehnten vor, wie öffentlich und politisch Druck von Überlebenden sein kann und muss, um diese Menschheitsgefahr dauerhaft zu bannen.

Zum Thema fortgesetztes Menschheitsverbrechen zähle ich jetzt einige Punkte auf, die es weiterhin dringend erforderlich machen, dass wir unüberhörbar werden – über die Veranstaltung hier heute Abend hinaus:

  • Wir müssen beobachten, wie massiv Atomwaffen modernisiert und neu angeschafft werden – in China, Pakistan, Indien, den USA, Russland, Großbritannien oder Frankreich, in Nordkorea und Israel;
  • Mit der Bombardierung des Iran durch Israel und die USA wird eine ungeheure Eskalationsdynamik im atomaren Wettrüsten in Gang gesetzt. Zu befürchten ist, dass aus den derzeit 9 Atomwaffenstaaten demnächst 25 werden;
  • Der letzte bilaterale Rüstungs-Begrenzungsvertrags ist zu Ende.
    Es existiert keine einzige Initiative, zu einem neuen Vertrag zu gelangen.
  • Und, zack: Derzeit hören wir viel davon, dass die NATO weitere Atombombenstationierungen in Europa plant – Finnland, Litauen und Polen sollen in den Nuklearen Planungsstab mit aufgenommen werden, mehr Waffen könnten stationiert werden. Sollte das so kommen ist damit zu rechnen, dass im Gegenzug auch Russland sein Arsenal stärker an seiner Westgrenze konzentriert
  • Wir verstehen, dass der Atomwaffen-Sperrvertrag schon seit einigen Jahren effektiv blockiert ist und so eine Erfüllung der darin festgelegten Ziele unwahrscheinlich bleibt.

Wenn wir dann dagegen sehen, mit wie viel Vehemenz die Vertragsstaaten des Atomwaffen-Verbotsvertrags ein Ende der nuklearen Bewaffnung fordern,

wenn wir dann verstehen, wie viele Waffen immer noch auf dieser Welt existieren,
und kein Ende zu ihrer Existenz in Reichweite zu sein scheint,

wenn wir dagegen sehen, dass es Städtenetzwerke gegen die Bombe,
aktivistische Netzwerke gegen die Bombe, Staatenverbünde gegen die Bombe, auch atomwaffenfreie Zonen gibt,

dann – ich muss es ein drittes Mal sagen – darf es uns nicht passieren, dass wir still bleiben.

Dazu kommen jetzt noch ein paar Ideen von mir. Ich hoffe, dass wir gemeinsam weiter daran spinnen:

Erstens, was ist denn eigentlich mit den Mayors for Peace? Es sind ja demnächst Kommunalwahlen. In Hitzacker gibt es einen Mayor for Peace. Aber was ist hier mit Dannenberg? Und Lüchow? Oder Luckau zum Beispiel? Und was könnten diese Bürgermeister*innen mehr tun als an einem Flaggentag symbolisch ihre Verbundenheit zu zeigen? Städte können Konferenzen ausrichten für den Verbotsvertrag, Gemeinden sich als atomwaffenfreie Standorte deklarieren, im Zusammenschluss politischen Druck auf die Parlamente ausüben – nicht umsonst gibt es den Städtetag, nicht umsonst werden dessen Positionen in Bundestag und Bundesrat beachtet – hier ist viel mehr möglich.

Auch wenn wir hier nicht auf einer Bewegungs-Strategiekonferenz sind, will ich ein paar Vorstellungen von mir ansprechen, um zu hören, was ihr dazu sagt: Wir müssen uns trauen, über große Aktionen mit Wirkung nachzudenken. Ich erinnere daran, wie vor 60 Jahren die Idee der Ostermärsche aufkam: gedacht als politische Sternmärsche mit großer symbolischer Wirkung, über mehrere Tage, mit Mühen, still aber eindrucksvoll – suchen wir nach Ideen, was heutzutage eine zeitgemäße Entsprechung sein könnte! Nicht nur einfach eine Wiederholung! Raus aus den Routinen, raus aus dem Eingefahrenen – wir müssen wirkungsvoll Druck machen!

Wie? Ich träume davon, dass es rund um den Globus antimilitaristische Aktionen gibt, die zusammen und koordiniert Sinn ergeben – Blockaden in Häfen, Störung von Manövern, Stopp der großen Truppenverlegungen, Go-Ins und Proteste an Lagerorten, Besetzung von Flugplätzen, Aktionen gegen die „Wertschöpfungskette“ der Atomindustrie – nicht nur an einem Ort, in einem Staat! Am besten zeitlich und inhaltlich miteinander verbunden – es muss sichtbar, laut und koordiniert an vielen Orten dieser Welt geschehen. Und wir hier im Wendland, wir könnten ein Teil davon sein.

Aber vielleicht ist das der zweite Schritt vor dem ersten. Bevor wir auch nur darüber nachdenken, wo und wie wir zum Beispiel beim nächsten Defender die Konvois anhalten könnten, müssen wir vor allem unsere Köpfe widerstandsfähig machen. Wie halten wir der ständigen Erzählung stand, die da sagt: „Es muss doch sein! Es geht halt nicht anders.“ Doch! Rüstung macht nichts sicherer. Was ohnehin im Argen liegt – Klima, Artensterben, Hunger – das macht sie schlimmer! Das müssen wir uns immer wieder vor Augen halten, und darin müssen wir uns gegenseitig bestärken!

Und dazu gehört nicht zuletzt auch: Es geht nicht ohne Kritik am kapitalistischen System, und es geht nicht ohne die mühsamen Versuche, das System hinter uns zu lassen. Die nukleare Bewaffnung und ihre „Abschreckungs“-Idee lassen sich nicht unabhängig vom Konkurrenzverhältnis der Staaten betrachten, nicht von kapitalistischer Profit- und Wettbewerbslogik abspalten, nicht von imperialistischer Übermachtsideologie, nicht von nationalistischer Schutzbehauptung, nicht von Herrschaft, nicht von Staat, nicht von Kapital abspalten. Für eine dauerhafte Überwindung der Atomwaffe ist eine umfassende Systemtransformation der zentrale Ausgangspunkt.

Lasst uns daher das Licht dieser Kerzen heute Abend in unseren Herzen nicht nur andächtig, sondern wütend weiter brennen lassen, als Leuchtstern für diese notwendige Arbeit, die vor uns liegt, und die so viel von uns verlangt. Aber: wir müssen es angehen.

Vielen Dank.

Wenn wir uns um eine antimilitaristische Perspektive bemühen, laufen wir Gefahr, missverstanden zu werden. Leicht steht der Verdacht im Raum, insgeheim oder offen sollte damit einem kriegsführenden Aggressor das Wort geredet werden. Um es in aller Deutlichkeit zusagen: das wollen und werden wir nicht. Krieg zu führen, damit zu drohen oder sich dafür zu rüsten lehnen wir ab.

Wir machen uns nicht
die Interessen derjenigen zu eigen,
für die Krieg nur die konsequente
Fortführung und Mittel ihrer Politik ist.
Das heißt aber keineswegs, unentschieden zu sein:

Es ist und bleibt notwendig, Partei zu ergreifen für Menschen in Unterdrückung und Not. Antimilitarismus steht auf der Seite derjenigen, die unter den Folgen leiden, die schon zu Tausenden ihr Leben lassen mussten und die weiterhin als „Menschenmaterial“ verbraucht werden.
Diese Haltung wollen wir in die gesellschaftliche Debatte einbringen.

Willkommen

auf der Seite des Antimilitaristischen Bündnis Wendland!

Seit vielen Jahren gibt es diesen Zusammenschluss; mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und der damit einhergehenden Militarisierung stehen wir vor Herausforderungen, denen wir uns stellen wollen so gut wir können. Wir sind konfrontiert mit einer Eskalation der Gewalt, die uns fassungslos macht - fassungslos, aber nicht hilflos. Die Informationen auf dieser Homepage sollen einen Eindruck dieses Bemühens vermitteln.

Eine gute, ständig aktualisierte Übersicht von Aktionen und Informationen in Sache Unterstützung von Flüchtenden findet sich hier.