Kriegsdienste verweigern! Aber wie?
Du hast einen Fragebogen bekommen, und weisst nicht, was nun? Du suchst Hilfe bei deiner Verweigerung? Du hast Fragen, was in deinem Fall wichtig ist?
Wir bieten Beratung und Begleitung von Personen, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern wollen.
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15-17h, QBUS/Altes Rathaus, Am Busbahnhof Lüchow
Von Sebastian Bähr
ein Interview aus der Zeitung ›Freitag‹
vom

18-Jähriger schwänzte Musterung:
„Wir sollen kämpfen,
nicht die Kinder von Friedrich Merz“
Fast 15.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung gingen bis September beim Bundesamt ein – mehr als im gesamten Vorjahr. Auch Golo Kirsch aus Kiel bekam Post von der Bundeswehr. Allerdings bevorzugte er es, sie zu verbrennen. Ein Gespräch
Die Sorge, künftig Dienst an der Waffe leisten zu müssen, scheint unter jungen Menschen zu wachsen. Von Januar bis September 2026 gingen beim zuständigen Bundesamt fast 15.000 Anträge auf Kriegsdienstverweigerung ein(opens in new tab) – mehr als im gesamten Vorjahr. Zugleich hat die Bundeswehr in diesem Jahr damit begonnen, 18-jährige Männer zu mustern, die in ihrem Fragebogen kein Interesse am Dienst bekundet haben. Bislang waren davon knapp 1.000 junge Männer betroffen.(opens in new tab)
Ab Juli 2027 soll die Musterung mit 24 Zentren bundesweit ausgeweitet werden. Für die betroffenen Jahrgänge wird die Wehrerfassung damit flächendeckend und verpflichtend. Ein Teil der Jugendlichen will dem nicht folgen. Einer von ihnen ist Golo Kirsch aus Kiel. Der 18-Jährige erhielt bereits eine Einladung zur Musterung, entschied sich aber, nicht hinzugehen. Im Gespräch mit dem Freitag erklärt er, warum.
der Freitag: Herr Kirsch, Sie haben eine Einladung zur Musterung von der Bundeswehr bekommen. Was war Ihr erster Gedanke zu dem Zeitpunkt?
Golo Kirsch: Als ich während der Sommerferien den Brief öffnete, war ich erst einmal total verwirrt. Ich sollte am 31. August zur Musterung ins Karrierecenter Kiel – obwohl ich der Bundeswehr zuvor mitgeteilt hatte, dass ich kein Interesse daran habe. Ich dachte außerdem, die Musterungen beginnen ohnehin erst im Juli 2027.
Sie hatten zuvor bereits Briefe der Bundeswehr erhalten. Wie haben Sie darauf reagiert?
Ich war im März 18 Jahre alt geworden und hatte einen ersten Brief der Bundeswehr ignoriert. Den zweiten Brief hatte ich dann beantwortet, weil er direkt als Einschreiben kam, mit der Androhung eines Bußgelds bei Nichtbeantwortung. Dort habe ich dann angegeben, dass ich null Interesse am Wehrdienst habe.
Wie haben Sie reagiert, als nun trotzdem die Einladung zur Musterung kam?
Zunächst habe ich meine Eltern angerufen und sie gefragt, was ich tun soll. Sie meinten, dass ich das selbst entscheiden müsse. Schließlich habe ich den Brief verbrannt. In dem Moment fühlte sich das einfach richtig an. Zum Termin bin ich nicht gegangen.
Gab es bisher Konsequenzen?
Bisher habe ich keine Konsequenzen erlebt. Ich hatte ein paar Tage nach dem Erhalt des Briefes bei der Bundeswehr angerufen, da war eine Hotline angegeben, und hatte nachgefragt, was das denn alles bedeutet. Ich hatte nachgehakt, warum ich diesen Brief bekomme, obwohl ich mich gar nicht freiwillig gemeldet habe. Dort wurde mir gesagt, dass das alles bisher freiwillig sei und erst 2027 irgendwann verpflichtend sein wird. Es gibt bisher offenbar nicht die Kapazitäten, um das vollständig umzusetzen. So habe ich jedenfalls den aktuellen Stand verstanden.
Warum wollen Sie nicht zur Musterung?
Ich engagiere mich imSchulstreik-Bündnis gegen die Wehrpflicht– bei uns in Kiel, aber auch bundesweit. Seit dem ersten Schulstreik bin ich dort aktiv. Wir sind letztlich davon überzeugt, dass die Wehrpflicht nicht dazu dient, Deutschland verteidigungsfähig zumachen. Die NATO ist längst verteidigungsfähig –sie hat mehr Waffen als Russland, auch ohne die USA. Aus unserer Sicht geht es vielmehr darum, einen Krieg vorzubereiten. Und in diesem Krieg sollen dann wir kämpfen, nicht die Kinder von Friedrich Merz oder die der Konzernchefs von Rheinmetall.
Wessen Interessen werden Ihrer Ansicht nach mit der Aufrüstung verfolgt?
Sie ist im Interesse derjenigen, die hier im Land das Sagen haben: der Reichen. Deren Interessen sind nicht meine Interessen. Durch die Musterung soll geprüft werden, ob wir in der Lage sind, im Zweifel auf andere junge Menschen zu schießen. Auf junge Menschen, die wahrscheinlich genauso in einem Staat leben, dessen Regierung nicht ihre Interessen vertritt.
Die Bundeswehr hat bereits 1000 junge Menschen zu Musterungen eingeladen, obwohl diese kein Interesse angegeben hatten. Flächendeckend sollen die Musterungen ab Sommer 2027 stattfinden. Was glauben Sie, warum jetzt schon damit begonnen wird?
Dass sie mit so wenigen Fällen angefangen haben und deutlich früher als angekündigt, ist meiner Meinung nach kein Zufall. Hätten sie erst im Juli 2027 ganze Jahrgänge gemustert, hätte das vermutlich mehr Widerstand ausgelöst. Ich glaube, sie versuchen, sich schrittweise heranzutasten: kleine Schritte statt großer Maßnahmen, gegen die sich leichter Protest organisieren ließe.
Wie fühlt es sich für Sie an, dass der Staat zunehmend versucht, Zugriff auf junge Menschen zu erhalten?
Das macht die politische Veränderung im Land sehr real. Vor wenigen Jahren war eine solche Aufrüstung kaum vorstellbar, jetzt bin ich als 18-Jähriger unmittelbar davon betroffen. Man fragt sich, wie man seine Zukunft noch gestalten soll, wenn man womöglich in einen Krieg ziehen oder in einem leben muss.
Zugleich fließt Geld in Aufrüstung statt in unsere Zukunft – zulasten des Klimas und sozialer Rechte. Das macht mir Angst, aber vor allem macht es mich extrem wütend.
Sie haben sich entschieden, nicht zur Musterung hinzugehen. Was gibt Ihnen die Sicherheit, an dieser Entscheidung festzuhalten?
Ich habe mir vorgenommen, nicht zur Musterung zu gehen. Ich möchte nicht, dass der deutsche Staat weiß, ob ich geeignet bin, für Interessen zu sterben, die nicht meine eigenen sind. Natürlich frage ich mich, ob das Konsequenzen haben wird. Davor habe ich Respekt.
Golo Kirsch, 18, ist Schüler der 12. Klasse einer gymnasialen Oberstufe in Kiel und engagiert sich im Schulstreik-Bündnis gegen die Wehrpflicht.
Wenn wir uns um eine antimilitaristische Perspektive bemühen, laufen wir Gefahr, missverstanden zu werden. Leicht steht der Verdacht im Raum, insgeheim oder offen sollte damit einem kriegsführenden Aggressor das Wort geredet werden. Um es in aller Deutlichkeit zusagen: das wollen und werden wir nicht. Krieg zu führen, damit zu drohen oder sich dafür zu rüsten lehnen wir ab.
Wir machen uns nicht
die Interessen derjenigen zu eigen,
für die Krieg nur die konsequente
Fortführung und Mittel ihrer Politik ist.
Das heißt aber keineswegs, unentschieden zu sein:
Es ist und bleibt notwendig, Partei zu ergreifen für Menschen in Unterdrückung und Not. Antimilitarismus steht auf der Seite derjenigen, die unter den Folgen leiden, die schon zu Tausenden ihr Leben lassen mussten und die weiterhin als „Menschenmaterial“ verbraucht werden.
Diese Haltung wollen wir in die gesellschaftliche Debatte einbringen.
Willkommen
auf der Seite des Antimilitaristischen Bündnis Wendland!
Seit vielen Jahren gibt es diesen Zusammenschluss; mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und der damit einhergehenden Militarisierung stehen wir vor Herausforderungen, denen wir uns stellen wollen so gut wir können. Wir sind konfrontiert mit einer Eskalation der Gewalt, die uns fassungslos macht - fassungslos, aber nicht hilflos. Die Informationen auf dieser Homepage sollen einen Eindruck dieses Bemühens vermitteln.
Eine gute, ständig aktualisierte Übersicht von Aktionen und Informationen in Sache Unterstützung von Flüchtenden findet sich hier.