Kriegsdienste verweigern! Aber wie?
Du hast einen Fragebogen bekommen, und weisst nicht, was nun? Du suchst Hilfe bei deiner Verweigerung? Du hast Fragen, was in deinem Fall wichtig ist?
Wir bieten Beratung und Begleitung von Personen, die den Kriegsdienst aus Gewissensgründen verweigern wollen.
Jetzt melden bei kdv-wendland@dfg-vk.de

Vom bundesweiten Aktionstag am 5. Dezember 2025
Hallo,
wir vom antimilitaristischen Bündnis würden ja lieber von Kriegsdienst sprechen: "Wehrdienst" oder "Wehrpflicht" - diese Worte kommen uns eher verharmlosend vor. Aber wir können nachvollziehen, warum die Initiator*innen für diese gute Maßnahme den Titel "Schulstreik gegen Wehrpflicht" gewählt haben. Tag für Tag werden wir ja mit der Erzählung konfrontiert, es ginge bei der großen Aufrüstung, die gerade im Gange ist, um Verteidigung, also darum, sich zu wehren.
Tatsache ist: Jugendliche sollen dazu gebracht werden, zur Bundeswehr zu gehen. Der Sinn und Zweck von Militärdienst ist, aus Menschen Soldaten zu machen. Drill und das eiserne Prinzip von Befehl und Gehorsam sind dafür da, fühlende und denkende Wesen zu Menschenmaterial zu formen (wie sie das nennen), das sich im Bedarfsfall ge- und verbrauchen lässt. Völlig egal, was Du selber willst - Du sollst töten und Dich töten lassen. Darum gehts.
Die Rede von Lia
Hallo!
Zuerst einmal: Schön, dass ihr da alle da seid!
Ich bin Lia und ich geh in Clenze in der KGS zur Schule; und ich möchte mich heute in meiner Rede der Frage widmen, wer da eigentlich potentiell in den Krieg ziehen soll und wer dieses „Wir“ ist, für das wir kämpfen und töten sollen.
Also: Seit Jahren wird versucht, das deutsche Militär wieder in die Mitte der Gesellschaft zu rücken. Deutschland soll kriegstüchtig werden, es wird in unglaublich großem Ausmaße aufgerüstet und in Waffen investiert. Immer wieder fallen aus Politik und Wirtschaft Äußerungen wie: „Wir müssen die Bundeswehr stärken“ oder „Wir müssen uns verteidigen können“ oder „Wir haben die Verantwortung, unser Land zu beschützen“.
Aber wer ist denn dieses Wir, von dem da immer geredet wird?
Wahrscheinlich soll das „Wir“ verstanden werden als die Vielzahl der Menschen, die hier leben, sich gemeinsam solidarisch organisieren und die fürs gemeinsame Leben eine Menge Vereinbarungen haben. Das ist zwar etwas doll runtergebrochen, aber entspricht schon einigermaßen dem, was so positiv erzählt wird vom „uns“, „unseren“ Gesetzen, „unserer“ Polizei, „unserer“ Regierung“, unserem „Staat“, „unserer“ Nation, und „unserer“ Lebensweise.
So weit, so schön, so idealistisch … aber leider ist das sehr weit entfernt von der Realität.
Denn dieses „Wir“ hier in Deutschland beinhaltet eine zutiefst patriachale, rassistische, kapitalistische und neokoloniale Gesellschaft.
Um das nochmal weiter zu erklären geb ich euch ein paar Beispiele:
ersteinmal: Reiche in diesem Land werden immer reicher – und Arme immer ärmer. Das Spiel kennen wir doch alle und: Daran soll sich auch nichts ändern, denn ohne Armut gäbs auch keinen Reichtum – weshalb der Staat (als eigenständiger Akteur und leider nicht als die selbstlose Vertretung von uns allen) sich darum kümmert, dass es genau so bleibt und die Schere zwischen Arm und Reich sogar noch größer wird.
Und: Stattdessen UND um Schuldige für die offensichtlich ungerechte Lage zu finden, wird Stimmung gemacht gegen Geflüchtete, Sozialleistungsempfänger und viele mehr, die angeblich nicht genug für “unsere” Wirtschaft tun würden.
Dann zum Beispiel der Aspekt, dass der Klimawandel auf beeindruckende Art und Weise ignoriert wird – und damit konkret die Zukunft aller jungen Menschen gegen die Wand gefahren wird. Damit werden wir vom Staat weitestgehend alleine gelassen – die können sich ja Bunker bauen, auf den Mars umziehen oder haben zumindest genug Geld, um auch bei Lebensmittelknappheit und allgemeinem Mangel gut über die Runden zu kommen. Deshalb gibts ja wenig Interesse von „Oben“, den Klimakollaps so ernst zu nehmen, wie es eigentlich geboten wäre.
So und dann natürlich: Die Gesellschaft rutscht nach rechts, das Arbeitsrecht wird verschärft, die Situation an den Wohnungsmärkten ist katastrophal, linke Kräfte werden mit Repression überzogen wie schon lange nicht mehr, die Lebenshaltungskosten steigen, die Schulen zerfallen geradezu, die ökologische Vielfalt stirbt, die Pole schmelzen, die Wälder sterben, die Anzahl von Menschen mit psychischen Krankheiten wird immer immer mehr,
,...die Welt geht vor die Hunde..
Und die Liste ist noch lange nicht vorbei, ich könnte noch ewig weiterreden… und das zeigt: Es sieht schlimm aus.
Bei all diesen Punkten wäre es enorm wichtig, wenn WIR solidarisch und gemeinsam schauen, wie wir die Probleme zusammen angehen und lösen können. Doch genau das passiert eben nicht.
Denn: Überall dort nervt das Wir nur. Denn es steht konträr zu kapitalistischen Interessen. Aber um das Volk davon zu überzeugen, für den kapitalistischen Staat in den Krieg zu ziehen – ja dann, dann wird das „Wir“auf einmal doch ganz praktisch .
Wir wollen aber für dieses „Wir“ (das es nur dann gibt, wenn es dem Staat und dem Kapital gut in den Kram passt) nicht kämpfen! Denn nicht „Wir“ entscheiden uns für einen Krieg, sondern der Staat. Und nicht um uns geht es dabei, sondern um wirtschaftliche und politische Einflussgebiete und Abhängigkeiten.
Und zu so einer verfickten Scheiße sollen wir gezwungen werden?
Krieg ist immer eine bewusste Entscheidung. Und nie werden dabei die Menschen gefragt, die direkt betroffen sind.
Die geplante Wehrpflicht würde uns gegebenenfalls dazu zwingen, junge Menschen zu töten, die sich ebenfalls nicht selbst dazu entschieden haben, in den Krieg zu ziehen. Vermutlich würden wir uns mit den jungen Leuten im Schützengraben gegenüber sogar gut verstehen, wenn wir sie in einem anderen Kontext treffen würden. Wir würden mit ihnen vielleicht was trinken gehen, Musik machen, oder gemeinsam an einer besseren Welt arbeiten.. Persönliche Probleme haben wir mit keinen von denen, die wir im Zweifelsfall töten sollen.
Die Entscheidung zum Krieg, zum kämpfen und töten wird von den Machthabenden getroffen. Und wisst ihr, was ich mir da einfach nur denke?
Sollen sie doch kämpfen gehen und sich gegenseitig ermorden, wenn sie da so scharf drauf sind! Denn dann müssten auch sie mit den Folgen leben… nicht wir.. mit dem eigenen Tod, dem Tod Angehöriger oder geliebter Menschen und traumatischen Belastungen. Denn genau das ist nun mal Krieg… Denn Krieg ist brutal -
und wer jetzt denkt, das bringt doch eh nichts -
Doch!
Denn wir sind die stärkste und wichtigste Waffe im Krieg.
Denn ohne Soldaten kann es keinen Krieg geben.
Und: Das sind nicht unsere Kriege.
und darum machen Wir da nicht mit!
Wir sagen Nein zum Krieg!
und Nein zur Wehrpflicht!
Wer heutzutage eine antimilitaristische Perspektive einnimmt, läuft Gefahr, als pro-russisch oder rechtsoffen etikettiert zu werden. Wir Veranstalter*innen sind beides ganz gewiss nicht. Im Gegenteil: uns verbindet eine klare Haltung gegen Nationalismus jeglicher Couleur; Kapitalismus und imperiale Lebensweise verstehen wir als Ursache der ineinandergreifenden Krisen. Krieg zu führen, damit zu drohen oder sich dafür zu rüsten lehnen wir ab.
Sich nicht die Interessen derjenigen zu eigen zu machen, für die Krieg nur die konsequente Fortführung und Mittel ihrer Politik ist, heißt keineswegs, unentschieden zu sein.
Es ist und bleibt notwendig, Partei zu ergreifen für Menschen in Unterdrückung und Not. Antimilitarismus steht auf der Seite derjenigen, die unter den Folgen leiden, die schon zu Tausenden ihr Leben lassen mussten und die weiterhin als „Menschenmaterial“ verbraucht werden. Diese Haltung wollen wir in die gesellschaftliche Debatte einbringen.
Willkommen
auf der Seite des Antimilitaristischen Bündnis Wendland!
Seit vielen Jahren gibt es diesen Zusammenschluss; mit dem Krieg Russlands gegen die Ukraine und der damit einhergehenden Militarisierung stehen wir vor Herausforderungen, denen wir uns stellen wollen so gut wir können. Wir sind konfrontiert mit einer Eskalation der Gewalt, die uns fassungslos macht - fassungslos, aber nicht hilflos. Die Informationen auf dieser Homepage sollen einen Eindruck dieses Bemühens vermitteln.
Eine gute, ständig aktualisierte Übersicht von Aktionen und Informationen in Sache Unterstützung von Flüchtenden findet sich hier.